Die Schönheit der Yogaphilosophie und die Essenz der tantrischen Philosophie

Yoga ist weit mehr als das Üben von Asanas auf der Matte. Yoga ist eine jahrtausendealte Philosophie (der östlichen Welt) – ein Weg, der uns dabei unterstützen kann, Tiefe, Klarheit und innere Freiheit zu erfahren. Gerade in einer Zeit, in der alles schneller, lauter und komplexer wird, verlieren wir leicht den Kontakt zur Tiefe des Seins.

Die Yogaphilosophie erinnert uns an das, was jenseits von Denken, Leistung und Optimierung liegt: an Präsenz, Frieden und Verbundenheit.

Buddha Tranta Yoga

Philosophie

Die Philosophien dieser Welt spiegeln die Sehnsucht der Menschen nach Erkenntnis. Die Ursprünge der westlichen Philosophie reichen bis ins antike Griechenland zurück. Hier suchten Denker wie Sokrates, Platon und Aristoteles nach logischen Erklärungen für das Leben und die Welt. Es geht hier um Vernunft und analytisches Denken. Das prägte Wissenschaft, Ethik und Politik – bis heute.

Parallel dazu entwickelte sich im Osten eine andere Herangehensweise. In Indien entstanden die Veden und Upanishaden, aus denen später der Buddhismus und Jainismus hervorgingen. Im Mittelpunkt standen hier weniger rationale Analysen, sondern eher die Suche nach innerer Erkenntnis und spiritueller Harmonie. In Indien hat Philosophie viel mit Erfahrung zu tun. Sie basiert auf Erfahrung und transformiert das menschliche Erleben.

Yogaphilosophie

Hinter dem was wir heute Yogaphilosophie nennen stehen verschiedene Traditionen, Strömungen und Schulen, die sich gegenseitig beeinflusst haben.

Um ein bisschen Struktur hinein zu bringen könnte man drei grundlegende Strömungen unterscheiden: Vedanta, Klassischen Yoga und Tantra.

Die Vedantischen Traditionen finden sich in den sogenannten Upanishaden. Dort geht es zum Beispiel darum, was das SELBST ist und was es mit der Lebensenergie PRANA auf sich hat.

Klassischer Yoga zeigt auf, wie man geistige Ruhe und Klarheit erlangt, wie man sich von Leid und aus dem eigenen mentalen Gefängnis befreien kann. Dieser Yoga beschreibt auch Hindernisse auf unserem Weg zur Selbstfindung und wie man diese überwinden kann.

Im Tantra geht es unter anderem darum, dass Bewusstsein die Grundlage von allem ist und wie man die Kraft und die Freiheit von diesem Bewusstsein wiedererkennt.

Rose nicht duales Tantra

Nicht-duales Tantra

Tantra betrachtet die Welt aus einer anderen Perspektive und hinterfragt die vorangehenden Traditionen.

Die meisten früheren Yogasysteme drehten sich darum, auf die Welt zu verzichten oder sich aus ihr zurückzuziehen, da sie illusorisch sei. Der orthodoxe brahmanische Weg in Indien besagt, dass der Veda die ultimative Quelle von Weisheit und Yoga ist. Vedanta, Samkhya und klassischer Yoga stehen in unterschiedlichen Graden in dieser Tradition. Es ist in erster Linie ein Weg der Entsagung. Ein Weg der für wenige Menschen, meist Männer, für Mönche und andere Asketen ist, die in einem Ashram oder einer Höhle leben.

Im Gegensatz zu dieser Perspektive hat das Tantra eine offene und positive Einstellung zur Welt. Die Suche nach dem „Höheren“ oder die Suche nach Erleuchtung, steht nicht im Gegensatz zu einem erfüllten Leben. Ganz in Gegenteil: Es ist möglich, das Göttliche im Leben, in allen Elementen zu erkennen und auch dadurch „Erleuchtung“ zu erfahren. Diese lebensbejahende Philosophie war über Geschlecht und Kaste hinweg ansprechend, so dass sie sich schnell ausbreitete. Tantra ist für normale Menschen und kann als Teil des täglichen Lebens praktiziert werden.

Es entstanden verschiedenen Zweige und Schulen des Tantra wie der Kaschmirische-Shivaismus, eine sehr feine und gewandte Lehre, die eine wichtige Grundlage des Anusara® Yoga ist. Sie beschreibt die Welt als Bewusstsein und Energie.

Das Herz des Wiedererkennens

Innerhalb der tantrischen Stömungen ist die Pratyabhijñā Linie die vielleicht Wesentlichste in Bezug auf Anusara® Yoga.

„Pratyabhijñā“ bedeutet (Wieder)erkennen. Das wonach wir uns sehnen, ist bereits. Die fundamentalste Aussage dieser Strömung ist: Dass alles, was existiert, Bewusstsein ist, welches absolut frei ist. Unser menschliches Bewusstsein ist aus dieser Perspektive eine kontrahierte Form des All umfassenden Bewusstseins.

Es geht darum zu erkennen welche Kraft auch im individuellen Bewusstsein steckt. In gewisser Weise ähneln einige Aussagen den Erkenntnissen der modernen Quantenphysik.

Veronika Freitag Yoga

Kultur und Philosophie

Mich selbst hat das Eintauchen in die östlichen Philosophien sehr bereichert. Insbesondere Teile der tantrischen Philosophie haben mich sehr inspiriert. Das bedeutet nicht, dass ich alles unreflektiert übernehme.

Für mich ist der Weg des Yoga ein Prozess, der auch Werte unserer Kultur, psychologische und medizinische Erkennnisse und vor allem die eigene Lebenserfahrung einbezieht. Letztendlich geht es für uns ja darum zu leben und das ist etwas anders, als die absolute Befreiung von Allem, wie sie in östlichen Yogatraditionen erscheint.